2. Geduldig sein

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Henri Cartier-Bresson erklärte über den „Decisive Moment“, dass er manchmal spontan sei, manchmal muss man aber auch darauf warten und geduldig sein. Er war sehr strikt mit seinen Bildern und behielt diese nur wenn alle Elemente (Personen, Hintergrund, Ausschnitt und Komposition) perfekt waren.

Wenn ihr auf der Straße fotografiert und eine interessante Szene seht, wartet bis die richtige Person vorbei kommt um euer Foto zu komplettieren. Auch wenn ihr jetzt nicht stundenlang auf einer Stelle auf den richtigen Moment warten müsst, übt euch ein wenig in Geduld. Ihr müsst nicht immer auf der Jagd nach dem „Decisive Moment“ sein, manchmal kommt dieser auch zu euch.

3. Reisen

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Henri Cartier-Bresson, bereiste die ganze Welt. Er fotografierte in Indien, Europa, Amerika, China und auch Afrika. Auf seinen Reisen war es ihm möglich Eindrücke aus anderen Kulturen festzuhalten. Er war beispielsweise ein Jahr in Indien um sich in diese Kultur einzuleben.

Obwohl man in bekannter Umgebung auch sehr viel lernen kann, ist es ein guter Tipp so viel wie möglich zu reisen um seinen Horizont zu erweitern. Dadurch entdeckt ihr verschiedene Länder und Kulturen, welche eure Fotografie auf verschiedene Weisen inspirieren.

4. Bei einem Objektiv bleiben

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Obwohl Henri Cartier-Bresson für seine Auftragsarbeiten bei Magnum verschiedene Objektive benutzte, verwendete er für seine privaten Arbeiten nur sein 50mm Objektiv. Da er nur mit diesem Objektiv arbeitete, wusste er genau wie das Bild in der Kamera aussehen würde und die Kamera wurde zu einer „Erweiterung seines Auges“.

Versucht diese Methode selbst anzuwenden, wenn ihr auf der Straße fotografiert.
Ich ermutige Personen zwar immer dazu mehrere Brennweite zu verwenden um die Welt anders zu sehen und zu experimentieren, aber im Endeffekt wird das Arbeiten mit nur einer Brennweite euer fotografisches Auge fördern. So lernt ihr den Blickwinkel eures Objektivs zu kennen und wisst bereits bevor ihr die Kamera zum Auge führt welchen Abstand und Winkel ihr benötigen werdet.

5. Kinder fotografieren

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Eines meiner Lieblingsfotos von Henri Cartier-Bresson ist dieses von einem kleinen Jungen, welcher zwei Weinflaschen in seinen Armen trägt und wie ein Champion triumphierend grinst. Als ich dieses Foto zum ersten mal sah erinnerte es mich sofort an meine eigene Kindheit. HCB war ein Spezialist im Fotografieren von Kindern in ihrer natürlichen Verspieltheit, welche bei seinen Betrachtern sofort nostalgische Erinnerungen hervor ruft.

Heutzutage ist es extrem schwer Kinder zu fotografieren (wegen der Panik in den Nachrichten über Pedophile und Kidnapper). Trotzdem sind Kinder ein sehr gutes Objekt der Street-Fotografie. Ich habe bemerkt, dass es Kinder nicht stört vor der Kamera zu stehen und diese oft einfach ignorieren. Deshalb könnt ihr natürliche Fotos von ihnen machen, welche ihr verspieltes und neugieriges Wesen einfängt.

6. Unauffällig sein

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Wenn Henri Cartier-Bresson auf der Straße fotografierte, war er stets so unauffällig wie möglich. Ich habe sogar gelesen, dass er seine chromfarbene Leica mit einem schwarzen Klebeband umwickelte und manchmal sogar in einem Taschentuch versteckte um nicht durch diese aufzufallen. Die meisten Personen, wussten nicht, dass sie von ihm fotografiert werden, dadurch konnte er ungestellte Fotos schießen.

Um so unauffällig wie HCB zu fotografieren, tragt Kleidung welche keine Aufmerksamkeit auf sich zieht, arbeitet schnell und haltet euch nicht lange bei einem Objekt auf. Wenn ihr euch Videos von Henri Cartier-Bresson beim Fotografieren anschaut, seht ihr wie schnell und geschickt er arbeitet. Wenn ihr eine interessante Szene seht, bringt eure Kamera schnell zu eurem Auge, schießt das Foto und zieht weiter bevor euch jemand bemerkt.

7. Die Welt wie ein Maler sehen

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Bevor Henri Cartier-Bresson die Fotografie entdeckte, war er an der Malerei interessiert. Als er dann die Fotografie entdeckte, wandte er die ästhetischen Grundlagen der Malerei in seinen Fotografien an. Die Komposition war HCB extrem wichtig und so erinnern seine Fotos an Gemälde in seiner Zeit. Als Henri Cartier-Bresson älter wurde, wandte er sich interessanterweise von der Fotografie wieder ab und konzentrierte sich den Rest seines

Lebens auf die Malerei. Das Interview mit NPR dazu findet ihr hier

Um ein besserer Street-Fotograf zu werden, studiert die Arbeiten bekannter Maler. Schaut euch an wie diese den Ausschnitt, die Komposition, die Personen und die Szene wählen. Ein Maler welchen ich absolut faszinierend finde ist Edward Hopper, welcher eigentlich ein Street-Fotograf mit einem Pinsel anstatt einer Kamera ist. Limitiert eure Inspiration nicht nur auf Fotografie, erforscht auch andere Formen der Kunst, egal ob klassisch, modern, surreal oder abstrakt.

8. Nicht zuschneiden

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Henri Cartier-Bresson, war vehement gegen das nachträgliche Zuschneiden eines Fotos. Er war der Meinung ein Foto sollte nur in der Kamera entstehen. Falls der Ausschnitt eines seiner Fotos nicht richtig war, überging er dieses Foto bei der schlussendlich Auswahl seiner Bilder.

Meine persönliche Meinung über das Zuschneiden eines Fotos ist etwas entspannter, obwohl ich auch der Meinung bin, dass es besser ist im Vorhinein gutes Foto zu schießen ohne es nachträglich zuschneiden zu müssen. Wenn ihr zu oft zuschneidet, werdet ihr faul beim Wählen eures Ausschnitts und erschwert euch dadurch ein fotografisches Auge zu entwickeln.

9. Nicht um die Nachbearbeitung kümmern

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Obwohl Henri Cartier-Bresson genau wusste, wie man Fotos entwickelt und nachbearbeitet, tat er es niemals selbst. Er schickte seine Fotos zu Personen, welchen er vertraute, um diese zu entwickeln. Das gab ihm einen großen Vorteil, da er dadurch weniger Zeit in der Dunkelkammer verbringen musste und so mehr Zeit zum fotografieren hatte.

In der modernen und digitalen Zeit, konzentrieren sich viele Fotografen zu sehr auf die Nachbearbeitung. Wenn ihr euch wirklich überhaupt nicht mit der Nachbearbeitung auskennt, kauft euch Lightroom 5 und ladet euch meine kostenlosen Street-Fotografie Presets herunter. Obwohl ich meine Bilder gerne von RAW in schwarz/weiß konvertiere, verschwendet ihr durch zu lange Nachbearbeitung wertvolle Zeit, welche ihr auf der Straße verbringen könntet. Wenn ihr ein schlechtes Foto aufnehmt, hilft auch Photoshop nicht um ein gutes daraus zu machen.

10. Stets nach mehr streben

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© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos

Henri Cartier-Bresson hatte nie eine starke emotionale Bindung zu seinen Bilder. In einer Dokumentation über ihn, versuchten sie ihn zu überraschen dadurch, dass sie alle seine bekannten Werke ausdruckten und in der Galerie aufhängten in der er interviewt wurde. HCB schaute sie sich nicht sehr interessiert an und meinte, nachdem er ein Foto geschossen habe ist dieses Vergangenheit und er ginge gleich zur Suche nach dem nächsten über.

Es ist gut seine eigenen Fotos zu schätzen, trotzdem sollte man seine eigenen Arbeiten nicht als die Absolution ansehen und dadurch die Motivation verlieren. Wenn ihr ein schönes Portfolio habt, solltet ihr trotzdem immer nach noch besseren Bildern streben. Werdet nicht zu selbstgefällig und verliert dadurch den Antrieb. Strebt stets nach mehr.

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